Zwei Bücher, ein Thema: Frauenorden als Eckpfeiler der Krankenpflege

Die beiden Bücher liefern historisch fundierte Beiträge zur jeweiligen Ordensgeschichte, veranschaulichen den Weitblick der beiden Ordensgründerinnen, würdigen das Wirken der Schwesterngemeinschaften in Geschichte und Gegenwart und zeigen interessantes Bildmaterial. © BHS Zams | Marienkrankenhaus Vorau | Canva
200 Jahre Barmherzige Schwestern in Zams
Die Barmherzigen Schwestern in Zams (Tirol), die das St. Vinzenz-Krankenhaus führen, feiern heuer das 200-jährige Jubiläum ihrer Gemeinschaft: Am 23. April 1826 erfolgte die offizielle Gründung der Gemeinschaft der Barmherzigen Schwestern von Zams mit der symbolischen Schlüsselübergabe des Mutterhauses (und Krankenhauses) an die erste Ordensschwester und Generaloberin Sr. Josefa Nikolina Lins (1788–1836). Die Schwestern setzten damit die ersten Schritte im fürsorglichen Dienst an Kranken und Bedürftigen. Was damals als mutige Antwort auf konkrete Not begann, hat sich über die letzten zwei Jahrhunderte hinweg zu einem tragfähigen Netzwerk entwickelt, das im Gesundheits-, Sozial- und Bildungswesen Tirols bis heute maßgeblich verankert ist. In der nun erschienenen Festschrift „200 Jahre Barmherzige Schwestern von Zams“ wird neben der Gründungsgeschichte der Gemeinschaft auch das Krankenhaus ins Zentrum gestellt, in welchem die Schwestern ihre Idee gelebter Barmherzigkeit in die Praxis umsetzten.

Die Festschrift zu 200 Jahren Barmherzige Schwestern von Zams, die anlässlich des Jubiläums präsentiert wurde. Foto: Kongr. der Barm. Schw. Zams/Martina Kopp / Canva
Bis heute führen die Schwestern die Arbeit an den Kranken – nun gemeinsam mit ihren Mitarbeiter:innen – fort, auch wenn sich die gesellschaftlichen Bedingungen mit der Zeit verändert haben. Die rund 220 Seiten umfassende Festschrift versteht sich als fundierte Gesamtschau von Herkunft, Spiritualität und Entwicklung der Gemeinschaft und führt die parallelen Linien der Ordens- und Krankenhausgeschichte zusammen. Sie veranschaulicht, wie sich das Wirken der Barmherzigen Schwestern und die Entstehung sowie der Ausbau des Krankenhauses über zwei Jahrhunderte hinweg wechselseitig geprägt und vorangetrieben haben.
In der Festschrift heißt es abschließend: „Solange Menschen einander brauchen und einander Halt geben, bleibt der Auftrag der Barmherzigkeit lebendig. Die Spuren und Werte zweier Jahrhunderte mögen weiterleuchten und Generationen auf Wege führen, auf denen Glaube, Mut, Hoffnung und Nächstenliebe Zukunft haben.“ (S. 215).

Die Generaloberin der BHS Zams Sr. Barbara Flad mit Landeshauptmann Anton Mattle. Foto: Kongr. der Barm. Schw. Zams/Martina Kopp
150 Jahre Marienkrankenhaus in Vorau
Im Osten Österreichs feierte das Marienkrankenhaus in Vorau (Steiermark) ein wichtiges Jubiläum. Es wurde vor 150 Jahren von den Vorauer Marienschwestern gegründet und ist seitdem aus der steirischen Gesundheitsversorgung nicht mehr wegzudenken. Mit einem großen Festakt wurde dieses Jubiläum am 23. April 2026 gefeiert. In der 64-seitigen Festschrift „Zum Heil und Trost der Kranken. 150 Jahre Marienkrankenhaus Vorau“ sind auch die neuesten Erkenntnisse des Historikers Peter Wiesflecker abgedruckt. Er hat eine umfassende Würdigung der Entwicklung des Krankenhauses von den Anfängen bis in die Gegenwart erarbeitet und legte dabei besonderes Augenmerk auf das unermüdliche Wirken von Ordensgründerin Barbara Sicharter (1829–1905).

Die Festschrift zu 150 Jahren Marienkrankenhaus Vorau. Foto: Marienkrankenhaus Vorau / Canva
Wiesflecker weist auf die Wurzeln des Spitals in die Mitte des 19. Jahrhunderts hin: 1865 ließ sich die aus Wenigzell (in der Nähe von Vorau) stammende Barbara Sicharter gemeinsam mit einer Gefährtin im sogenannten „Tonihäusl“ nahe Vorau nieder. Unter geistlicher Begleitung lebte die kleine Gemeinschaft zunächst zurückgezogen von Gebet und Arbeit. Der konkrete Anlass für den Beginn der Pflegearbeit war die Bitte einer kranken Frau um Aufnahme, da sie niemanden hatte, der sie pflegte. Daraus entwickelte sich rasch ein Dienst an Kranken, Alten und Armen, ganz nach dem Grundsatz „Zum Heil und zum Trost der Kranken“. Aus der zunächst kleinen Gemeinschaft entstand die „Kongregation der Schwestern von der Unbefleckten Empfängnis“, die bis heute eng mit dem Marienkrankenhaus verbunden ist. 1876 erhielten die Schwestern schließlich die offizielle Bewilligung zum Betrieb eines Krankenhauses. Das Mutterhaus grenzt unmittelbar an das Spital an. Bereits im späten 19. Jahrhundert wurden Erweiterungen notwendig, da die Zahl der betreuten Patientinnen und Patienten stetig zunahm.
Bis heute ist der Krankenhausbetrieb durch eine ständige Vergrößerung, Verbesserung und Modernisierung gekennzeichnet. Für die Zukunft zeigte sich der Orden zuversichtlich: Generaloberin Sr. Mirjam Schmedler betonte, man wolle „wachsam bleiben für die Nöte unserer Zeit“.

Das Vorauer Herausgeber-Team Historiker Peter Wiesflecker, Oberin Sr. Mirjam Schmedler und Geschäftsführer Bertram Gangl. Foto: Marienkrankenhaus Vorau
Erhältlich sind die beiden Festschriften über diese Links:
„200 Jahre Barmherzige Schwestern von Zams“
„Zum Heil und Trost der Kranken. 150 Jahre Marienkrankenhaus Vorau“