Dr. Ulrich Schmidbauer, ärztlicher Direktor und Leiter des Zentrums
23. September 2026

Brustkrebsmonat Oktober: Moderne Brustkrebstherapie, gelebte Teamarbeit und Kühlhauben gegen Haarverlust

Brustkrebsmonat Oktober, eigentlich könnten wir ihn jeden Monat begehen. Denn statistisch gesehen erkrankt jede achte Frau bis zu ihrem 70. Lebensjahr an Brustkrebs. „Lebenswerk“, der Podcast der Ordensspitäler Österreichs, macht diesmal Station im Brustgesundheitszentrum des St. Josef Krankenhauses Wien. Dr. Ulrich Schmidbauer, ärztlicher Direktor und Leiter des Zentrums, spricht im Podcast über die Kraft interdisziplinärer Teamarbeit, die Meilensteine der Krebstherapien und die zentrale Haltung seines Teams: „Das Wir gewinnt“.

 

Pink im Oktober: Aufmerksamkeit für Brustgesundheit im Ordensspital.

Pink im Oktober: Aufmerksamkeit für Brustgesundheit im Ordensspital. © Alek Kawka 

 

Diagnose Brustkrebs, das ist mehr als ein Befund. Es ist ein einschneidendes Ereignis, das Ängste, Unsicherheiten und viele Fragen auslöst. Eine Diagnose, die innerhalb weniger Minuten das Leben verändern kann. „Ich sehe das jeden Tag“, sagt Dr. Ulrich Schmidbauer. Die Philosophie des Zentrums heißt „Das Wir gewinnt“. Dr. Schmidbauer beschreibt sie im Podcast so: „Das ‚Wir‘ setzt sich aus einem breit aufgestellten Team aus Spezialistinnen und Spezialisten zusammen, und ein fixer Teil dieses Teams ist die Patientin selbst. Gemeinsam gewinnen wir in den allermeisten Fällen die Gesundheit zurück.“

 

„Es geht um Menschlichkeit und um Kompetenz“

Das Brustgesundheitszentrum am St. Josef Krankenhaus Wien ist die zentrale Anlaufstelle für alle Fragen zur Brustgesundheit, egal, ob es sich um gutartige Tumore, unklare Befunde, weiterführende Untersuchungen oder die Diagnose Brustkrebs handelt.
„Unser Brustgesundheitszentrum ist eine völlig eigenständige Einrichtung. Da gibt es keine Nebengeräusche, keine Notfallmedizin, keine anderen Verpflichtungen und keine Ablenkung irgendeiner Art. Wir haben als Team eine gemeinsame Wertevorstellung, und das ist die Wertevorstellung eines Ordensspitals. Unser Ziel ist es, jede Patientin bestmöglich medizinisch zu behandeln, und gleichzeitig versuchen wir, den Menschen hinter der Diagnose nicht aus den Augen zu verlieren. Wir legen großen Wert auf Zeit für Gespräche, auf Transparenz und darauf, Entscheidungen gemeinsam zu treffen. Es geht um Menschlichkeit und um Kompetenz“, so Schmidbauer.

 

Individualisierung ist das Schlüsselwort moderner Brustkrebstherapie

Die moderne Brustkrebstherapie verfolgt das Ziel, onkologisch sicher und zugleich möglichst schonend und brusterhaltend zu sein. „Heute betrachten wir nicht mehr nur die Größe und Ausdehnung eines Tumors, die biologischen Charakteristika werden immer entscheidender. Moderne Medikamente wie zielgerichtete Therapien oder Immuntherapien haben die Behandlungsmöglichkeiten deutlich erweitert. Unser Ziel ist es, nicht mehr möglichst viel zu behandeln, sondern möglichst präzise und individuell angepasst an jede einzelne Patientin. Das Schlüsselwort der modernen Brustkrebsbehandlung ist Individualisierung“, erklärt Schmidbauer. Heute kann bei den allermeisten Patientinnen die Brust erhalten werden. Dank moderner Operationsverfahren und der Onkoplastik gelingt der Spagat zwischen onkologischer Sicherheit und einem sehr guten ästhetischen Ergebnis.

 

Prophylaktische Entfernung des Drüsengewebes

Eine Ausnahme stellt die risikominimierende prophylaktische Entfernung des Drüsengewebes, die Mastektomie, dar. „Sie ist bei Frauen mit einem deutlich erhöhten genetischen Risiko eine Option. Die Entfernung des Brustdrüsengewebes dient nicht der Behandlung einer bestehenden Erkrankung, sondern der deutlichen Reduktion eines zukünftigen Brustkrebsrisikos. Aber die Entscheidung erfordert immer eine sorgfältige individuelle Risikoabwägung und eine umfassende interdisziplinäre und natürlich auch genetische Beratung“, betont Schmidbauer.

 

Mit Kühlhaube gegen Haarverlust

Die psychoonkologische Betreuung ist Teil des Behandlungskonzepts, im St. Josef Krankenhaus Wien ergänzt durch die Seelsorge. Zusätzlich stehen Ernährungsberatung, Physiotherapie und weitere unterstützende Angebote des Brustgesundheitszentrums zur Verfügung. „Wir möchten unsere Patientinnen nicht nur medizinisch behandeln, sondern sie durch diese schwierige Lebensphase ganzheitlich begleiten. Die Aufrechterhaltung der Lebensqualität ist ein wesentlicher Beitrag“, sagt Schmidbauer.
Sichtbar wird diese Anstrengung etwa beim Bekämpfen von Nebenwirkungen wie dem Haarverlust im Rahmen einer Chemotherapie: „Mit einer Kühlhaube kühlen wir während der Behandlung die Kopfhaut. Die Blutgefäße, die die Haarwurzeln versorgen, ziehen sich zusammen. So gelangen die potenziell schädlichen Substanzen nicht an die Haarwurzeln. Damit ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass man die Haare trotz wirksamer Chemotherapie behält.“

 

Je früher ein Tumor entdeckt wird, desto erfolgreicher kann er behandelt werden

Schmidbauer thematisiert im Podcast „Lebenswerk“ auch das österreichische Brustkrebs-Früherkennungsprogramm (www.frueh-erkennen.at), das sich an Frauen zwischen dem 45. und 74. Lebensjahr richtet. „Die Vorsorge richtet sich aber nicht ausschließlich nach dem Alter der Patientinnen, sondern muss immer die individuellen Risikofaktoren mitberücksichtigen, so zum Beispiel eine familiäre Belastung oder ein erhöhtes genetisches Risiko. Das bedarf einer individuellen Planung des Früherkennungsprogramms. Und wir wissen, Früherkennen rettet Leben. Je früher ein Tumor entdeckt wird, desto schonender und desto erfolgreicher kann er in den allermeisten Fällen behandelt werden.“

 

Vorsorge beginnt zu Hause

Doch Vorsorge beginnt zu Hause: „Wichtig ist, dass jede Frau ihre Brust gut kennt. Es geht weniger darum, möglichst perfekt die Brust abzutasten, sondern darum, Veränderungen wie neu entstandene Knoten, Einziehungen der Haut, Veränderungen der Brustwarze oder ungewöhnliche Verhärtungen wahrzunehmen. Solche Veränderungen bedeuten keineswegs automatisch Brustkrebs, sie gehören aber ärztlich abgeklärt“, betont Schmidbauer.

Ein gesunder Lebensstil kann das Brustkrebsrisiko senken: regelmäßige Bewegung, ein normales Körpergewicht, Stillen, weniger Alkohol, Nichtrauchen – das alles trägt dazu bei. Dennoch lässt sich Brustkrebs nicht verhindern. „Viele Frauen erkranken, obwohl sie sehr gesund leben. Eine genetische Abklärung ist insbesondere dann wichtig, wenn Brustkrebs oder Eierstockkrebs gehäuft in einer Familie auftritt oder wenn Erkrankungen in sehr jungen Jahren diagnostiziert werden. In diesen Fällen beraten wir gemeinsam mit unseren Spezialisten in der Humangenetik“, erklärt Schmidbauer.

 

Eine Botschaft, die Mut macht

Auch wenn die Brustkrebsdiagnose vieles verändern mag – die Botschaft zum Abschluss macht Mut: „Die Diagnose nimmt nicht die Perspektive. Dank moderner Medizin, professioneller Begleitung und der Unterstützung durch nahestehende Personen muss niemand diesen Weg alleine gehen“, betont Dr. Ulrich Schmidbauer.

Den Podcast „Lebenswerk“ der Ordensspitäler Österreichs finden Sie auf allen gängigen Plattformen und auf www.ordensspitaeler.at/podcast.

 

Ordensspitäler Österreichs

Die 23 Ordensspitäler Österreichs betreuen jährlich rund zwei Millionen Patientinnen und Patienten und stellen damit eine bedeutende Säule des österreichischen Gesundheitswesens dar. Bundesweit steht jedes fünfte Spitalsbett in einem Ordenskrankenhaus. In absoluten Zahlen sind es etwa 7.100 Betten. Über 200.000 Patientinnen und Patienten werden jährlich operiert. Mit rund 20.000 Mitarbeitenden sind die Ordensspitäler ein wichtiger Arbeitgeber.
 


 

Downloads:

Download Icon Episode #21 Lebenswerk

Download Porträtfoto Dr. Ulrich Schmidbauer © Alek Kawka

Download Foto Team des Brustgesundheitszentrums

 

Weiterlesen:

St. Josef Krankenhaus Wien

Brustgesundheitszentrum St. Josef Krankenhaus

 

[renate magerl]