20. Oktober 2026

Training wie am Mond: Anti-Schwerkraft-Laufband erleichtert Physiotherapie

Auf dem Mond ist aufgrund der geringen Schwerkraft das eigene Körpergewicht auf ein Sechstel reduziert. Eine Person mit 70 Kilogramm wiegt daher nur rund 12 Kilo. Eine solche Gewichtsreduktion ist jetzt nicht nur im Weltraum, sondern auch im Krankenhaus möglich. Das neue Anti-Schwerkraft-Laufband in der Abteilung für Physikalische Medizin und Rehabilitation am Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern ermöglicht Patient:innen ein besonders schonendes Bewegungstraining.

Severin Hinterplattner, BSc, beim Austesten des Laufbands

Astronauten-Feeling pur: Severin Hinterplattner, BSc, beim Austesten des Laufbands © Ordensklinikum Linz

 

Physiotherapie hat das Ziel, Mobilität wiederherzustellen oder zu erhalten. Bewegungstraining spielt hier eine zentrale Rolle. Manchmal ist dabei eine volle Belastung der Beine nicht möglich, beispielsweise wenn es geriatrischen Patient:innen an Kraft mangelt, bei neurologischen Erkrankungen wie Querschnittlähmung oder nach einem Schlaganfall. „Bisher standen für solche Patient:innen beispielsweise Unterwassertherapie oder Gurtsysteme zur Verfügung“, erklärt Prim.a Dr.in Daniela Gattringer, MSc, Leiterin der Abteilung für Physikalische Medizin und Rehabilitation am Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern. „Beide Methoden haben jedoch Grenzen: Unterwassertraining lässt kaum eine fein dosierbare Gewichtsreduktion zu und Gurtsysteme können die Bewegungsfreiheit einschränken.“


Trainieren wie im Weltraum

Das neue Anti-Schwerkraft-Laufband erleichtert dieses Training, denn Patient:innen sind nur bis zur Hüfte in einer luftdichten Druckkammer, einer Art Zelt, welches über das Laufband gespannt ist. „Eine spezielle Neoprenhose sorgt dafür, dass keine Luft entweicht. Diese kann man auch bequem über der Sportkleidung tragen. Somit ist man in wenigen Minuten startklar“, sagt Severin Hinterplattner, BSc, Physiotherapeut am Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern. Danach wird die Druckkammer mit der Hose luftdicht verbunden und beginnt sich aufzublasen. „So können wir das Körpergewicht um bis zu 80 Prozent reduzieren. Ein Training also, das sich fast wie auf dem Mond anfühlt. Patient:innen sind entlastet, stabilisiert und schweben förmlich im Gerät“, so Hinterplattner. Das Trainingsgerät lässt sich wie ein herkömmliches Laufband in Geschwindigkeit und Steigung regulieren, sodass immer passend trainiert werden kann.


Effektives Training für beschleunigte Rehabilitation

Speziell für sturzgefährdete Menschen bietet das Laufband einen großen Vorteil. Denn durch die Druckkammer sind Patient:innen nicht nur gewichtsreduziert, sondern auch gestützt. Das ermöglicht einen Trainingsbeginn unter sicheren Bedingungen. „Wenn nach Operationen oder Verletzungen noch keine volle Belastung erlaubt ist, kann durch die dosiert einstellbare Gewichtsentlastung schon mit einem physiologischen Gehtraining in der Teilbelastungsphase begonnen werden. Über die einzelnen Trainingseinheiten wird es dann so weit gesteigert, bis man schließlich wieder eigenständig auf den Beinen steht. Damit ist eine beschleunigte Rehabilitation speziell nach Eingriffen an den Gelenken der Beine möglich“, sagt Prim.a Gattringer. Eine Behandlungsserie umfasst üblicherweise sechs je rund 20-minütige Einheiten. Das Laufbandtraining lässt sich auch mit anderen Therapieformen kombinieren, etwa gezielten Kraft-, Koordinations- oder Ausdauereinheiten. Neben der Gewichtsreduktion analysiert das Gerät auch das Gangbild. Es liefert Informationen über Schrittlänge, Gewichtsbelastung und die Standzeit der einzelnen Beine. „Durch die Gangbildanalyse sehe ich sofort, was nicht optimal funktioniert und kann dadurch schnell das Training anpassen. Außerdem ist es für Patient:innen großartig, wenn sie sehen können, wie sie sich verbessert haben“, sagt Hinterplattner.

 

Weites Anwendungsfeld

Die Einheiten am Anti-Schwerkraft-Laufband finden ambulant statt und können verordnet werden, sofern keine medizinischen Gründe dagegensprechen. „Es gibt Situationen, in denen wir von diesem Training abraten, etwa bei akuter Beinvenenthrombose oder akutem Bandscheibenvorfall“, erklärt Prim.a Gattringer. „Während jeder Einheit ist eine Physiotherapeutin oder ein Physiotherapeut anwesend, um Sicherheit und optimalen Therapieerfolg zu gewährleisten.“

 

Quelle: Ordensklinkum Linz