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12. Oktober 2020

Corona erhöht Schlaganfallrisiko bei Risikogruppen

Bei Risikogruppen, die an COVID-19 erkranken, ist das Schlaganfall-Risiko erhöht. Die Erstannahme, dass Corona ausschließlich das Atmungssystem betrifft, stimmt so nicht mehr, das hält Primar Dr. Christian Lampl, Leiter der Abteilung für Neurologie bei den Barmherzigen Brüdern Linz, fest. 

Corona ist nicht nur ausschließlich auf das Atemsystem beschränkt, auch neurologische Störungen sind wahrscheinlich. (c) canva

„Mittlerweile wissen wir, dass das Virus zu einer Kleingefäßerkrankung führt, die unter anderem Gerinnungsstörungen verursachen kann, welche wiederum den Schlaganfall begünstigen. Es gibt Studien, die zeigen, dass die Inzidenz (Anzahl der neu auftretenden Erkrankungen) von Schlaganfällen bei COVID gegenüber der normalen Grippe (Influenza) erhöht ist. Aber gerade bei COVID-19-positiven Patienten wissen wir, dass es vorwiegend ältere Patienten betrifft. Das Durchschnittsalter der Betroffenen bei einer amerikanischen Studie mit etwa 2000 Teilnehmern war 69 Jahre. In dieser Arbeitsgruppe treten generell vermehrt Schlaganfälle auf.“ Bei Risikogruppen kann also eine Corona-Erkrankung das Schlaganfallrisiko erhöhen.

Die primäre Annahme, dass Sars-Cov-2 ausschließlich das Atmungssystem betrifft stimmt also nicht, es gibt einen Zusammenhang zwischen Schlaganfällen und Sars-Cov-2. Aufgrund des Virus werden hohe Entzündungsmediatoren ausgeschüttet, die die Kleingefäße angreifen. Diese Entzündungsmediatoren wurden auch bei den Covid-Schlaganfallpatienten gefunden. „Aber es betrifft insbesondere ältere Patienten und insbesondere Personen, die zuvor schon hospitalisiert wurden“, relativiert der Primar.

Prim. Dr. Christian Lampl rät zur Vorsicht, aber nicht Panikmache. Corona ist hochansteckend, aber nicht hoch krankheitserregend. (c) Barmherzige Brüder Linz

Neuro-COVID? Studien fehlen noch

Neben einem erhöhten Schlaganfallrisiko berichten Mediziner oft über akute neurologische Symptome bei einer COVID-19-Infektion. „Wir wissen, dass das Virus die Schleimhäute, bzw. die feinen Geruchsnerven im Nasen-Rachen-Raum schädigt, was zum typischen Geruchs- und Geschmacksverlust führt. Auch bei anderen Symptomen wie dem Guillain-Barré-Syndrom, einer seltene Erkrankung im peripheren Nervensystem, hat man im Liquor (Anm. Körperflüssigkeit, die das Zentralnervensystem umgibt) den Virus entdeckt. Um sagen zu können, inwieweit tatsächlich ein Zusammenhang besteht, braucht es aber noch viel mehr Studien und längere Beobachtungszeiträume. Wir sprechen daher vorerst von Assoziation und nicht von Kausalität.“

COVID: hoch ansteckend, aber nicht hoch krankheitserregend

Fest steht, COVID-19 kann eine Infektion verursachen und ältere Personen haben ein erhöhtes Risiko, daran zu erkranken, aber – so der Neurologe - besser sei eine Mahnung zur Vorsicht, statt Panikmache. „Wichtig ist Eigenverantwortung und die korrekte Einhaltung der Hygienemaßnahmen. Der Virus ist zwar hoch ansteckend, aber nicht hoch krankheitserregend. Je mehr wir testen, umso mehr Infizierte bekommen wir. Das heißt aber nicht zwingend, dass ich krank werde. Jeder Virus braucht einen Wirt. Hat der Wirt eine normale Immunabwehr wie die meisten Österreicher, dann wird nicht viel passieren. Ist aber die Immunabwehr durch Vorerkrankungen, Begleiterkrankungen oder zusätzliche Erkrankungen geschwächt, kann sich daraus ein Krankheitsbild entwickeln. Dieses kann dann, so wie alle anderen Krankheitsbilder bei alten, immungeschwächten oder multimorbiden Patienten mitunter letale Folgen haben.“


Quelle: Barmherzige Brüder

[elisabeth mayr]

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