Patient mit lebensgefährlichem Aortenriss gerettet

Im Bild die am erfolgreichen Eingriff beteiligten Schlüsselkräfte mit dem Patienten zehn Tage nach der Operation: Turnusarzt Dr. Julian Leitner, Zentrale Notfallambulanz, Operateur OA Prof. Dr. Hans Joachim Geißler, Standortleiter Wels der Abteilung für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie, Kardiologe OA Priv.-Doz. Dr. Thomas Weber, der Patient und Prim. Priv.-Doz. Dr. Johann Knotzer, Leiter der Abteilung für Anästhesiologie und Intensivmedizin. (c) Klinikum Wels-Grieskirchen
Mitte August wurde ein 42-jähriger Baggerfahrer nach plötzlich auftretendem Unwohlsein, leichten Brustschmerzen und anschließendem Kreislaufkollaps während der Arbeit mit der Rettung ins Klinikum Wels-Grieskirchen eingeliefert. „Bei der Erstuntersuchung in der Zentralen Notfallambulanz zeigte er sich völlig beschwerdefrei und kreislaufstabil“, erklärt Thomas Weber, Kardiologe und Bluthochdruckspezialist am Klinikum Wels-Grieskirchen. Der bis dato gesunde Innviertler gibt an, in seiner Jugend gelegentlich einen Kreislaufkollaps erlitten zu haben. „Bei weiterführenden Untersuchungen fiel allerdings auf, dass ein Blutwert erhöht war – dies ließ auf eine Aktivierung der Blutgerinnung schließen.“ Eine durchgeführte Routine-Herzultraschalluntersuchung war jedoch unauffällig. „Bereits vor Jahren hat eine wissenschaftliche Untersuchung am Klinikum Wels-Grieskirchen gezeigt, dass eine Erhöhung dieses Blutwertes unter anderem auch auf einen Einriss der Hauptschlagader hindeuten kann“, führt Weber aus. Die Erkenntnisse der Studie fanden Erwähnung in europäischen und US-amerikanischen Empfehlungen (D-dimer in Acute Aortic Dissection. Thomas Weber, Sonja Högler, Johann Auer, Robert Berent, Elisabeth Lassnig, Erich Kvas und Bernd Eber. Chest 2003; 123:1375-1378).
Rasche Diagnose und Behandlung lebensrettend
Umgehend wurde eine gezielte Ultraschalluntersuchung der Aorta durchgeführt, wobei sich zeigte, dass tatsächlich ein lebensgefährlicher Einriss der Aorta vorlag. „Diese akute Erkrankung weist in ihrer Frühphase eine Sterblichkeit von einem Prozent pro Stunde auf“, erklärt der Welser Kardiologe. „Eine rasche Diagnose und Behandlung ist somit lebensrettend.“ Eine sofort durchgeführte Computertomographie bestätigte die Diagnose und zeigte die Ausdehnung des Einrisses. „In weniger als einer Stunde nach Diagnosebestätigung wurde der Patient an der Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie am Klinikum Wels-Grieskirchen erfolgreich operiert“, so Weber. Hans Joachim Geißler, Welser Standortleiter der Abteilung für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie, erklärt: „Die Operation erfolgte unter Einsatz der Herz-Lungen-Maschine, wobei intraoperativ für den Ersatz der Hauptschlagader im Bereich der Kopfgefäße die Körpertemperatur kontrolliert auf 26° C abgesenkt und eine selektive Perfusion der Kopfgefäße durchgeführt wurde. Bereits zwei Stunden nach der OP war der Patient wieder wach und eigenständig atmend und wurde bereits am nächsten Tag auf die Normalstation verlegt.“ Der Patient ist wohlauf und konnte das Krankenhaus nach 14 Tagen verlassen. „Am Klinikum Wels-Grieskirchen nehmen Experten der verschiedensten Disziplinen regelmäßig erfolgreich an Studien teil. In diesem Fall hat sich gezeigt, dass Wissenschaft Leben retten kann“, freut sich Weber. „Bei optimaler Zusammenarbeit der medizinischen Kompetenzzentren – in diesem konkreten Fall Akutversorgung, Kardiologie, Herzchirurgie und Anästhesie – können selbst schwere akute und lebensbedrohliche Erkrankungen rasch und erfolgreich behandelt werden.“
[martin gsellmann]