Start der Grippeimpfsaison 2019/20

Prim. Univ.-Prof. Dr. Martin Clodi; Abteilungsvorstand, Facharzt für Innere Medizin rät besonders Risikogruppen zur Grippeimpfung. (c) Konventspital Barmherzige Brüder Linz
Die Grippezeit steht vor der Tür und vor allem für Menschen mit bestimmten Erkrankungen ist die Grippeimpfung besonders wichtig, um das Risiko von Folgeerkrankungen einzudämmen. Aber für auch Menschen, die nicht zu den Risikopatienten gehören, macht impfen Sinn – zum Schutz vor Komplikationen und um einen wichtigen Beitrag zum Verhindern einer großen Epidemie zu leisten.
Warum eine Impfung im Oktober und November am besten wirkt
Jedes Jahr dauert es aufs Neue ein paar Wochen, bis das Thema Grippe-Impfung bei den Menschen angekommen ist, dabei ist gerade jetzt der beste Zeitpunkt für eine Impfung. Doch warum ist das so? „Zum einen dauert es in der Regel zwei Wochen, bis sich nach der Impfung ein ausreichender Grippeschutz aufgebaut hat. Zum anderen ist – wie bei jeder anderen Impfung – die Dauer des Impfschutzes zeitlich begrenzt, und der Impfschutz lässt über die Zeit nach. Mit dem empfohlenen Impfzeitraum zwischen Oktober und November kann also jeder dafür sorgen, dass sein Impfschutz zum Höhepunkt der Grippewelle am besten ist“, so Apothekenleiterin Mag. Gunda Gittler.
Impfstoffe für die Saison 2019/20
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) überwacht weltweit die Grippeaktivität und prüft jedes Jahr aufs Neue, welche Grippestämme mit hoher Wahrscheinlichkeit während der nächsten Grippesaison auftreten werden. Darauf basierend erfolgt eine Empfehlung für die Zusammensetzung der Grippeimpfstoffe für die kommende Saison. Die Grippeimpfstoffe für 2019/2020 enthalten drei oder vier Influenzavirus-Impfstämme: zwei Influenza A-Stämme und einen oder beide Vertreter der Influenza B-Linien. Die breiteste Abdeckung wird mit tetravalenten Influenza-Impfstoffen erzielt – also jenen mit zwei A- und zwei B-Influenzastämme.
Diabetes, Herzerkrankungen, Asthma & Co – Impfen ist besonders wichtig
Wussten Sie, dass das Risiko eines Herzinfarkts in den ersten sieben Tagen nach einer Influenza-Infektion um das 6-fache erhöht ist? Oder dass Personen mit Diabetes während einer Influenza-Epidemie 3 bis 6 Mal häufiger ins Spital eingeliefert werden müssen? Oder dass Asthmatiker wegen einer Influenza doppelt so oft stationäre Behandlung benötigen als gesunde Personen? Gerade Menschen, die diesen Risikogruppen angehören, sollten sich daher gegen Grippe impfen lassen. Angeraten ist die Impfung aber auch für alle Menschen über 50 Jahren sowie für Schwangere. In diesen Fällen besteht ein weiterer Vorteil darin, dass auch das Neugeborene in den ersten Monaten über einen Grippeschutz verfügt. Empfohlen wird die Impfung auch für Medizin- und Pflegepersonal sowie Menschen mit viel Publikumskontakt, wie etwa im Handel.
Ein Niesen oder ein Händedruck – mehr braucht es oft nicht für die Ansteckung
Die trockene Heizungsluft zuhause, in Büro und Schule sowie in den öffentlichen Verkehrsmitteln sorgt im Winter dafür, dass die Schleimhäute leicht austrocknen. Dadurch können sie die Erreger auch schlechter abwehren. Wenn dann noch Stress und andere Belastungen hinzukommen, ist die Immunabwehr anfälliger.
Zudem ist die Übertragung der Influenza-Viren sehr einfach. „Sie erfolgt überwiegend durch Tröpfchen, die in erster Linie beim Husten oder Niesen entstehen und über eine geringe Distanz auf die Schleimhäute der Atemwege von Menschen in der näheren Umgebung gelangen. Darüber hinaus ist eine Übertragung der Grippe auch durch direkten Kontakt möglich, wie etwa beim Händeschütteln. Ist die Hand mit den virushaltigen Sekreten kontaminiert, und erfolgt anschließenden ein Hand-Mund- oder Hand-Nasen-Kontakt, haben die Viren leichtes Spiel,“ so Prim. Clodi. Ist man also relativ machtlos, wenn das Gegenüber plötzlich niest, so kann man durch gründliches und oftmaliges Händewaschen das Ansteckungsrisiko durchaus minimieren. Betroffene können übrigens schon einen Tag vor dem Ausbruch der Grippe ansteckend für andere sein und sind es bis zu einer Woche nach dem Auftreten der ersten Symptome.
Virusgrippe oder nur ein grippaler Infekt?
„Die Erreger der Influenza sind Viren, die in die Typen A, B und C unterteilt werden. Für Menschen sind die saisonal auftretenden Influenza A- und B-Viren von besonderer Bedeutung. Diese lösen die echte Virusgrippe aus, die es unbedingt von einem einfachen grippalen Infekt zu unterscheiden gilt. Dieser ist zwar ebenfalls unangenehm, birgt aber bei weitem nicht so viele Risiken wie eine `echte Grippe´ “, erklärt Prim. Clodi. Beginnt eine Influenza meist schlagartig, schleicht sich der Infekt eher an. Zudem ist die echte Grippe von starker Müdigkeit, Muskelschmerzen im ganzen Körper sowie hohem Fieber von 38 bis 40 Grad Celsius gekennzeichnet. Vor allem letzteres ist ein klarer Indikator.
Wann eine Grippe ein Fall für das Krankenhaus wird
Prinzipiell lässt sich sagen, dass Patienten mit einer echten Virusgrippe in den meisten Fällen zuerst zum Hausarzt und dann ins Bett und nicht unbedingt in die Notaufnahme eines Krankenhauses gehören. Es gibt aber auch Ausnahmen. Gerade bei älteren, chronisch kranken oder Personen mit einem geschwächten Immunsystem kann es mitunter zu lebensbedrohlichen Komplikationen, wie etwa Lungenentzündungen oder bakteriellen Superinfektionen, kommen. Diese gehören dann selbstverständlich in stationäre Behandlung. Auch wenn Patienten so geschwächt sind, dass sie nicht mehr selbstständig essen und trinken können oder das Fieber länger über 40 Grad liegt, ist ein Spitalsaufenthalt angezeigt. Normalerweise werden aber auch diese Patienten von ihrem behandelnden Hausarzt eingewiesen.
[mgsellmann]