Gut leben mit künstlichem Darmausgang

Stomaberaterin DGKP Andrea König steht Betroffenen mit Rat und Hilfe zur Seite. (c) St. Josef Krankenhaus Wien / Martin Nussbaum
Etwa 15.000 Menschen in Österreich sind betroffen: Sie meistern ihr Leben mit Stoma, sprich einem künstlichen Darmausgang. Erkrankungen wie Darmkrebs aber auch chronische Darmerkrankungen wie Morbus Crohn können das erforderlich machen. „In den meisten Fällen ist es ein vorübergehendes Stoma, das nach einigen Monaten wieder rückoperiert werden kann“, weiß Oberarzt Dr. Philip de Maré, Leiter des Darmgesundheitszentrums im St. Josef Krankenhaus Wien.
Doch gibt es auch Betroffene, die dauerhaft damit leben. „Zum Beispiel bei einem tiefen Rektumkarzinom, also einem bösartigen Tumor im letzten Darmabschnitt, wenn die Schließmuskulatur beteiligt ist und entfernt werden muss“, erklärt de Maré. Beim Anlegen eines künstlichen Ausgangs wird der Darm durch die Bauchdecke ausgeleitet. Anstatt über den natürlichen Weg, wird Stuhl dann über die neu geschaffene Öffnung aus dem Körper transportiert. In einem speziellen Beutel werden die Ausscheidungen geruchsdicht aufgefangen und gesammelt, bis der Inhalt in einer Toilette entsorgt wird.
Das Tabu überwinden
Wie geht nun die Familie mit dem Thema um? Wie der Partner oder die Partnerin? Und soll man Freunden davon erzählen? Für viele Betroffene ist das Thema anfangs mit Scham und Sorge verbunden. „Aber wenn das Stoma gut funktioniert, ist die Lebensqualität oft besser als mit den Beschwerden der Erkrankung zuvor“, weiß de Maré. Im Darmgesundheitszentrum am St. Josef Krankenhaus Wien pflegt man einen offenen Umgang mit dem Thema Stoma, ein Team hochspezialisierter Mediziner sorgt für die bestmögliche Betreuung von Darmkrebs-patientinnen und -patienten. Mit DGKP Andrea König hat das Krankenhaus auch eine eigene Stoma-Beraterin. „Die psychische Belastung ist bei Betroffenen oft hoch. Aber gelingt es, die veränderte Situation zu akzeptieren, kommt es kaum zu Einbußen der Lebensqualität“, beruhigt auch sie. Vor einer geplanten Stoma-Operation trifft sie den Patienten, um eine geeignete Stelle am Bauch zu markieren, wo er gut hinsieht und sich somit später selbstständig optimal versorgen kann. „Auch nach der Operation üben wir den Umgang mit dem Stoma, die Pflege und die Reinigung“, so König. „Produkttechnisch wurde in den vergangenen Jahren sehr viel entwickelt, für jeden Patienten kann man die richtige Versorgung finden.“
Von Spitzensport bis Schwangerschaft – Vieles ist möglich
Über die Stoma-Versorgung hinaus, tauchen bei Betroffenen oft noch viele andere Fragen auf, die das tägliche Leben betreffen. Was soll ich essen? Darf ich schwimmen? Reisen? Wie kann Sexualität möglich sein? Auch hier steht König gerne mit Rat zur Seite – und hat viele gute Nachrichten. Zum Beispiel: Es gibt keine Stoma-Diät. Wenngleich sich manche Lebensmittel eher ungünstig auswirken und etwa Schalen von Früchten oder Körner den Stoma-Ausgang verkleben können. Auch spricht nichts dagegen, zu reisen oder zu schwimmen, für alles gibt es eigene Stoma-Ware. Seit einigen Jahren sind sogar schicke Dessous und Unterwäsche für Betroffene erhältlich. Zudem stehen speziell für intime Stunden kleinere, diskrete Stoma-Produkte zur Verfügung – auch einer erfüllten Sexualität steht also nichts im Wege, vorausgesetzt die körperliche Leistungsfähigkeit nach der Erkrankung ist gegeben. Gute Nachrichten für jüngere Frauen, bei denen ein Stoma angelegt werden muss: Auch Kinder kann man bekommen. Kurz gesagt: Mit einer positiven Einstellung ist Vieles möglich. Das beweist unter anderen auch der ehemalige Berufssportler Rolf Benirschke. Als Stoma-Träger spielte er erfolgreich in der höchsten American Football Liga und zählte zu den größten Stars seines Teams.
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