Lebensgefährliche Schluckstörung nach Schlaganfall

OA Dr. Christof Bocksrucker, Stellvertretender Ärztlicher Leiter, Leitender Oberarzt, Leiter der Stroke unit, Facharzt für Neurologie. Fotorechte: Barmherzige Brüder Linz
„Die Studien zeigen, dass über 60 Prozent der betroffenen Patienten in hohem Maße von der Pharynx-Stimulation profitieren“, erklärt OA Dr. Christof Bocksrucker, Facharzt für Neurologie und Neurologische Intensivmedizin bei den Barmherzigen Brüdern in Linz. Bei der neuen Behandlungsmethode wird eine dünne Sonde mit Stimulationselektroden durch die Nase eingeführt. Gesteuert durch eine externe Basisstation setzt diese am Rachen entsprechend an den Patienten angepasste elektrische Reize. „Beim Schlaganfall wird oft auch das Gehirnareal, das fürs Schlucken zuständig ist, geschädigt. Die Impulse, die durch die Stimulation im Schluckapparat gesetzt werden, sorgen dafür, dass neue Nervenzellen die Funktion übernehmen“, erklärt Bocksrucker.
Ob die Pharynx-Stimulation notwendig ist, entscheidet ein Schluck-Screening gleich nach der Aufnahme des Patienten auf der Stroke Unit. Alle Schlaganfall-Patienten werden getestet, um Dysphagie rasch und sicher festzustellen. Kompetenz steht dabei an erster Stelle. Dafür sorgt ein Dysphagie-Team aus Logopäden, Ärzten, Pflegern und Diätologen, das in Diagnostik und Therapie ausgebildet wurde.
Dysphagie ist eine Schluckstörung, die als häufiges Symptom im Rahmen von Schlaganfällen auftritt und die Lebensqualität der Betroffenen massiv beeinträchtigt. Oft wird dadurch der Krankenhausaufenthalt erheblich verlängert, da Schwierigkeiten bei der Nahrungsaufnahme, Dehydration, Mangelernährung oder Aspirationspneumonie die Folge sein können.
Patienten werden mittels standardisierter Screening-Methoden untersucht. Hat der Patient Probleme, zum Bsp. kleine Mengen Wasser zu trinken, wird der Schluckapparat mittels Endoskop untersucht, auch verschiedene Nahrungsmittelkonsistenzen können getestet werden. Dabei kann der Arzt sehen, ob beim Schlucken Nahrung oder Flüssigkeit in die Luftröhre gelangt.
Denn: Schon kleinste Mengen Wasser- oder Speisereste in der Luftröhre können zu einer – im schlimmsten Fall tödlichen - Lungenentzündung führen!